TRE® - Spannung und Trauma lösende Übungen - Tension and Trauma releasing Exercises nach Dr. David Berceli
                                                                                       
WAS EIGENTLICH IST TRAUMA ?

Ein neuer Ansatz aus der körperorientierten Traumatherapie
unter Einbeziehung des Nervensystems.


“Ich bin doch nicht traumatisiert!“ Diesen Satz höre ich immer wieder in meinen Vorträgen und Seminaren und er
macht mir klar, dass das Wort Trauma im Grunde immer noch negativ besetzt ist. “Mit mir ist doch alles in Ordnung!“
oder “So schlimme Dinge habe ich doch gar nicht erlebt!“ - diese Aussagen beinhalten die Vorstellung, dass eine Traumatisierung darauf hindeutet, das dieser Mensch nicht stark oder fähig genug war, um mit einer schwierigen
Erfahrung umzugehen. Es ist also ein Zeichen von Schwäche oder Inkompetenz, traumatisiert zu sein. Dies gilt ganz besonders in unserer hoch funktionalen Gesellschaft. Auch deshalb ist es mir ein großes Anliegen, eine neue
Sichtweise auf das Verständnis von Trauma zu eröffnen.


Dem ersten Schritt liegt die Beobachtung zugrunde, dass überfordernde Erfahrungen zu Körperreaktionen führen.
Im zweiten Schritt kommt die Frage hinzu, wie stark die Überforderung ist und wie lange sie anhält.

Eine leichte Überforderung wird in der Regel schnell überwunden und verarbeitet. Diesen Zustand bezeichnen wir
oftmals als “Stress“. Solange die überfordernde Situation nicht zu schwer ist oder zu lange andauert, können wir
recht gut damit umgehen.


Je heftiger aber die Überforderung ist oder je länger der überfordernde Zustand anhält, desto stärker werden
die Reaktionen darauf. Im oberen Bereich der Skala dieser Vorgänge wird dieser Zustand als Trauma (leichte
bis schwere Traumatisierung/Überforderung) bezeichnet und im unteren Bereich dieser Skala erleben wir
dies als “genervt sein“ oder Stress.


Überforderungen lösen immer eine Reihe von Reaktionen im Körper und ganz besonders in unserem
Nervensystem aus. Diese Reaktionen dienen als reine Selbstschutzmechanismen. Eine Überforderung ist immer
eine Erfahrung des “in diesem Moment nicht in der Lage zu sein, mit dem aktuell Erlebten angemessen umzugehen“.


Unser Nervensystem reagiert auf diese überfordernde Erfahrung mit dem so genannten Kampf- oder
Fluchtmechanismus - oder wenn es gar nicht mehr anders geht mit Erstarrung. Dies nennen wir Schockzustand.
Aber auch hier ist alles noch angemessen und in einem gesunden Bereich. Der Körper schützt sich erfolgreich selbst!


Die traumatische oder zu sehr überfordernde Erfahrung fängt erst dann an unser Leben zu beeinträchtigen oder zum
Problem zu werden, wenn es uns nicht gelingt die einstmals schützenden Körperreaktionen zu beenden. Wir bleiben
in der Erregung oder in der Erstarrung eines längst vergangenen Erlebnisses stecken. All das spielt sich im
Wesentlichen auf der körperlichen Ebene ab. Aus diesem Verständnis heraus können wir die Scham und das
Gefühl von Unfähigkeit überwinden, schlimme Dinge erlebt zu haben. Selbst wenn wir feststellen, dass wir diese
Erlebnisse noch nicht verarbeiten konnten und wir uns immer wieder voller Angst und Anspannung erleben,
so können wir nun erkennen, dass es “nur“ unser Körper ist, der aus der Balance geraten ist.


Traumatisierende oder überfordernde Erlebnisse können sein:
Unfälle und Operationen jeglicher Art - auch kleinere oder unbedeutendere Eingriffe. Krankheiten. Naturkatastrophen.
Gewalt jeglicher Art. Missbrauch jeglicher Art. Vernachlässigung. Verlassen werden. Verlust oder Tod eines wichtigen Menschen. Verlust des Arbeitsplatzes. Langanhaltende Überforderungen im Arbeitsbereich oder in der Familie.


Kinder sind ganz besonders anfällig für Traumatisierung. Was Erwachsenen oft als Kleinigkeit erscheint,
können Kinder als bedrohliche Überforderung erleben.


Es ist im Grunde nicht das Ereignis selbst, sondern: wer es erlebt und zu welchem Zeitpunkt es erlebt wird.
Also kann jede Situation, die als schwierig und unangenehm erlebt wird und aus der es scheinbar keinen
Ausweg gibt, traumatisierend wirken.